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StEG

StEG (2016–2019)

Ziele

Wie müssen schulische Förderangebote, beispielsweise im Bereich Lesen, gestaltet sein, um Lernen individuell fördern zu können? Können kooperative Lernformen in Lern- und Übungszeiten dazu beitragen, das Potential zur individuellen Förderung besser zu nutzen? Wie kann die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams an Ganztagsgrundschulen gelingen? Welche Rolle spielt die Ganztagsschule bei Bildungsentscheidungen? Wie wirkt sich die Teilnahme an Ganztagsangeboten im Vergleich zu Angeboten anderer Bildungs- und Betreuungssettings z. B. auf die Schulnoten, das Selbstkonzept und die soziale Kompetenz der Schüler*innen aus?

In der dritten Förderphase von StEG standen vertiefende Analysen zu Gestaltungsmerkmalen von Ganztagsangeboten und insbesondere deren Einfluss auf individuelle Förderung im Mittelpunkt. Neben der Fortsetzung des bundesweit repräsentativen Systemmonitorings wurden erstmals in StEG Auswirkungen von der Teilnahme an schulischen Ganztagsangeboten mit denen anderer Bildungs- und Betreuungssettings verglichen. Hierzu wurden umfangreiche Interventionsstudien an Schulen der Primar- und Sekundarstufe I mit ganztägigen Angeboten durchgeführt.

Auch während der dritten Förderphase von StEG haben wir unsere Forschung aufgrund der vielfältigen Fragestellungen in vier Teilstudien sowie einer Schulleitungsbefragung, dem Systemmonitoring, organisiert. Basierend auf den Ergebnissen der beiden letzten Forschungsphasen wurden vertiefende Untersuchungen durchgeführt, die der Komplexität des Themas Ganztagsschule gerecht werden.

Weitere Informationen zur dritten Förderphase sowie den Ergebnissen finden Sie in unserer Broschüre „Individuelle Förderung: Potenziale der Ganztagsschule“.

Die fünf Teilstudien in der Übersicht

StEG-Lesen: Förderung der Lesekompetenz an Grundschulen durch innovative Arbeitsgemeinschaft im Ganztag

Gemeinsam mit Fachkräften aus der Praxis entwickelt das Projektteam eine Arbeitsgemeinschaft (AG) zur Leseförderung für Schulkinder der 4. Klassenstufe an Ganztagsschulen. Die AG wird in enger Zusammenarbeit mit den Schulen realisiert und wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Konkret möchten wir in StEG-Lesen herausfinden: Wie müssen Angebote zur Leseförderung gestaltet werden, damit die Schüler*innen in Kombination mit dem alltäglichen Schulunterricht besonders erfolgreich lernen? Wie werden Kinder mit unterschiedlich ausgeprägtem Leseverständnis angesprochen? Was ermöglicht eine individuelle Förderung und eine enge Verzahnung mit dem Deutschunterricht?

StEG-Kooperation: Multiprofessionelle Kooperation als Basis für Inklusion an Ganztagsgrundschulen

In StEG-Kooperation wird gemeinsam mit einem fachkundigen und Schulpraxis erfahrenen Team eine Schulentwicklungsmaßnahme zum Thema „Multiprofessionelle Kooperation“ entwickelt. Im Anschluss erfolgt die Durchführung und Evaluierung der Fortbildung an drei Ganztagsgrundschulen.

Wir gehen der Frage nach, unter welchen Bedingungen Lehrkräfte und anderes pädagogisches Personal erfolgreich zusammenarbeiten können und Inklusion möglichst gut gelingt. Konkret steht hierbei im Fokus, wie die Zusammenarbeit gestaltet und bestmöglich umgesetzt werden kann.

StEG-Tandem: Konzeptionelle Weiterentwicklung von Lern- und Übungszeiten durch kooperative Lernformen

Im Rahmen von StEG-Tandem erarbeiten wir gemeinsam mit Schulen ein Konzept zur Einführung kooperativer Lernformen (z.B. Lernen in Tandems oder Kleingruppen) in Lern- und Übungszeiten. Anschließend folgt die Umsetzung des Konzepts in den Lern- und Übungszeiten der fünften Klasse mit wissenschaftlicher Begleitung und Evaluation.

Wir gehen der Frage nach, ob sich die Arbeit mit kooperativen Lernformen und die Unterstützung durch Mentoring-Personen in Lern- und Übungszeiten positiv auf die Leistung und die Motivation der teilnehmenden Schüler*innen auswirken.

StEG-Bildungsorte: Ganztagsbildung aus Sicht von Schulkindern und ihren Eltern

In StEG-Bildungsorte untersuchen wir den spezifischen Wert und Ertrag von Ganztagsschulen im Vergleich zu anderen Bildungs- und Betreuungskontexten. Im Fokus stehen 8 bis 14-Jährige und deren Eltern, die innerhalb eines Jahres zwei Mal befragt werden.

Es wird der Frage nachgegangen, welche Vorstellungen Familien zur individuellen Förderung der Kinder haben und inwieweit die Angebote von Ganztagsschulen dabei eine Rolle spielen. Außerdem vergleicht StEG-Bildungsorte die Wirkungen schulischer Ganztagsangebote mit denen anderer Bildungs- und Betreuungsangebote. Hierbei werden auch die Folgen auf die Freizeitaktivitäten der Kinder berücksichtigt.

Schulleitungsbefragung: Systemmonitoring

Die Schulleitungsbefragung bildet die Basis für die Fortsetzung des Systemmonitoring Ganztagsschule, das wir in StEG bereits seit 2005 durchführen. Unsere bundesweiten Erhebungen erbringen Informationen darüber, wie die Ganztagsschulen strukturiert und organisiert sind. Im Abstand von drei Jahren liefert StEG einerseits repräsentative Daten zur aktuellen Ganztagsschullandschaft und zeichnet andererseits ein Bild über die Veränderung der Ganztagsschullandschaft über die Zeit.

Das Systemmonitoring dient vor allem dazu, Bildungsverwaltung und - politik bei der systematischen Weiterentwicklung des Ganztags zu unterstützen.

Details zu StEG-Lesen

Förderung der Lesekompetenz an Grundschulen durch innovative Arbeitsgemeinschaft im Ganztag

Das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund und das Institut für Erziehungswissenschaft der Pädagogischen Hochschule Freiburg führen in der dritten Förderphase von StEG (2016-2019) gemeinsam die Teilstudie „StEG-Lesen“ durch. Im Rahmen des Projektes wird mit einem Expert*innen-Team aus Praxis und Wissenschaft eine Arbeitsgemeinschaft (AG) zur Leseförderung in Ganztagsschulen konzipiert. Zielgruppe sind Schulkinder der 4. Klassen an dreißig offenen oder teilgebundenen Ganztagsgrundschulen. In enger Zusammenarbeit mit den Schulen wird die AG durchgeführt, wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Das Team will herausfinden, wie Angebote zur Leseförderung gestaltet werden müssen, damit Lernen in Kombination mit dem regulären Schulunterricht besonders erfolgreich gelingt. So soll handlungsweisendes Wissen über Gestaltungserfordernisse lernwirksamer Angebotsformen zur Leseförderung in Verbindung mit dem Fachunterricht generiert werden, um letztlich daraus praxisorientierte Maßnahmen ableiten zu können.

Lesen als Schlüsselkompetenz – Welche Rolle kann der Ganztag spielen?

Lesen zu lernen ist eines der wichtigsten Ziele in der Grundschule. Die Fähigkeit, sich selbst Texte zu erschließen, ist nicht nur für nahezu alle Schulfächer von zentraler Bedeutung, sondern ebenso im Alltag außerhalb der Schule. Eine Schlüsselrolle beim Erwerb von Lesekompetenzen kommt dem Deutschunterricht zu. Darüber hinaus könnte der erweiterte Zeitrahmen an Ganztagsschulen dazu genutzt werden, die Kinder dazu zu motivieren, auch außerhalb der Schule zu lesen und ihre Lesefähigkeiten durch jeweils auf sie abgestimmte Maßnahmen zu fördern. An vielen Schulen finden außerunterrichtliche Lernarrangements zu ganz unterschiedlichen Themenbereichen in Form von Arbeitsgemeinschaften statt. Befunde aus einer früheren StEG-Untersuchung zeigen, dass Schüler*innen besuchte Leseangebote im Ganztag zwar positiv bewerten, sich ihre Lesekompetenzen dadurch jedoch nicht verbessern. Daher zielt die im Rahmen der Teilstudie StEG-Lesen entwickelte AG zur Leseförderung darauf ab, Material zu entwickeln, das Kinder mit unterschiedlich ausgeprägtem Leseverständnis anspricht und eine individuelle Förderung wie auch eine enge Verzahnung mit dem Fachunterricht ermöglicht.

Wissenschaft und Praxis konzipieren gemeinsam eine AG zur Leseförderung

Gemeinsam mit Sachverständigen aus der Fachdidaktik und der schulischen Praxis entwickeln Forschende des StEG-Teams in der Konzeptionsphase (1. Halbjahr 2016) die förderorientierte Arbeitsgemeinschaft zum Leseverständnis. Das schulische Personal, das die AG in den Schulen durchführt, wird im Vorfeld intensiv geschult. Darüber hinaus erhalten die Schulen ein auf der Basis wissenschaftlicher Befunde zur Leseförderung entwickeltes Manual, das Hinweise zur Durchführung, Texte sowie Arbeitsaufgaben enthält, dabei aber genug Spielraum lässt, flexibel auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Bedürfnisse in den verschiedenen Lerngruppen einzugehen. Bei Beratungsbedarf können sich die Schulen an das StEG-Team sowie an die Praxisexpert*innen wenden.

Lesen als spannendes Abenteuer: Rätsel lösen und Geheimnisse lüften

Für die Arbeitsgemeinschaft werden Rätselgeschichten konzipiert, die an die Lebenswelt der Kinder angelehnt sind und von den Schüler*innen zu lösende Aufgaben enthalten. Die Texte und die damit verbundenen Arbeitsaufträge sind unterschiedlich schwierig und komplex, die angebotenen Materialien vielfältig (u. a. Zeitungsartikel, Hörproben). Die Geschichten sind so gestaltet, dass sie erst gelöst werden können, wenn alle Aufgaben (die leichten und die schweren) bearbeitet sind. So können sich sowohl Schüler*innen, die schon sehr gut lesen können als auch solche, die noch nicht über eine hohe Lesekompetenz verfügen, an der Lösung der Fälle beteiligen. Im Verlauf der Arbeitsgemeinschaft lernen die Kinder neben dem stillen, individuellen Lesen weitere Lesemethoden (z. B. Tandemlesen, Reziprokes Lesen) wie auch Lesestrategien kennen, die es ihnen ermöglichen, sich gegenseitig im Lernprozess zu unterstützen.

Die Umsetzung in den Schulen

Die AG zur Leseförderung wird in zwei Phasen an den Schulen umgesetzt. Dazu werden die teilnehmenden Schulen in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Hälfte führt die Arbeitsgemeinschaft im ersten Schulhalbjahr 2016/17 durch, die andere Schulgruppe im ersten Schulhalbjahr 2017/18. So ist jede Schule einmal durchführende Schule und einmal Vergleichsschule. Die Durchführung der AG wird wissenschaftliche begleitet. Erfahrungen aus der ersten Umsetzungsphase werden genutzt, um das AG-Konzept für die zweite Phase anzupassen und zu verbessern. Um die Lernwirksamkeit zu messen, werden die Lesekompetenzen der Schulkinder vor und nach der Teilnahme an der Arbeitsgemeinschaft mit standardisierten Leistungstests getestet und mit der Leistungsentwicklung der Kinder an den Schulen verglichen, die die AG in diesem Zeitraum nicht durchgeführt haben.

Details zu StEG-Kooperation

Stärkung der multiprofessionellen Kooperation an Ganztagsgrundschulen

In der dritten Förderphase von StEG (2016-2019) arbeitet das Forschungsteam der Justus-Liebig-Universität Gießen in der Teilstudie StEG-Kooperation eng mit drei ausgewählten ganztägig arbeitenden Grundschulen in Hessen zusammen. StEG-Kooperation befasst sich mit der Konzeption und Evaluation einer Schulentwicklungsmaßnahme zu dem Thema „Multiprofessionelle Kooperation“. Gemeinsam mit einem Team aus erfahrenen Schulpraktiker*innen entwickelt das Projektteam eine Fortbildung, die anschließend an den teilnehmenden Ganztagsgrundschulen mit dem pädagogischen Personal durchgeführt wird. Wie die Schulentwicklungsmaßnahme auf die Kooperationspraxis weiterwirkt, wird an den Schulen mittels qualitativer Forschungsmethoden (beispielsweise durch Interviews und teilnehmende Beobachtungen) wissenschaftlich begleitet.

Multiprofessionelle Kooperation und Inklusion

Die empirische Bildungsforschung hat bereits herausgearbeitet, dass die Kooperation zwischen Lehrkräften und weiteren pädagogisch tätigen Personen zu den wichtigen Grundlagen einer erfolgreichen Lehr-Lernkultur an Schulen zählt. Wie auch Befunde aus den zwei ersten Förderphasen von StEG (2005-2011 und 2012-2015) zeigen, arbeiten die meisten Ganztagsschulen neben den Lehrkräften mit weiterem pädagogisch tätigen Personal. Dahinter verbirgt sich ein teils sehr heterogenes Feld unterschiedlicher Professionen. Multiprofessionelle Kooperation ist somit für fast alle Ganztagsschulen ein fester Bestandteil des pädagogischen Alltags. Die Frage inwiefern diese Zusammenarbeit in der Praxis für die Umsetzung von Inklusion eine Rolle spielt, ist Ansatzpunkt von StEG-Kooperation. Hierzu werden die kooperationsbezogenen Bedingungen für die Umsetzung von Inklusion genauer in den Blick genommen.

Zielsetzung von StEG-Kooperation

Ziel der Studie ist es, Erkenntnisse darüber zu erlangen, unter welchen Bedingungen Lehrkräfte und anderes pädagogisches Personal erfolgreich miteinander arbeiten können. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass eine gelingende Kooperation der pädagogisch agierenden Berufsgruppen als „Schlüssel“ für Inklusion angesehen werden kann. In der Teilstudie StEG-Kooperation wird der Frage nachgegangen wie diese Zusammenarbeit gestaltet sein muss, damit Inklusion an Ganztagsgrundschulen bestmöglich umgesetzt werden kann. Die durch die Studie gewonnenen Erkenntnisse tragen, so die Hoffnung, zur Verbesserung der pädagogischen Praxis bei. Die Studie entwickelt und realisiert gemeinsam mit einer Fachgruppe eine Fortbildung. Diese Schulentwicklungsmaßnahme wurde mit dem Abschluss der Untersuchung allgemein zugänglich unter peDOCS veröffentlicht.

Das Konzept der Studie

Die Studie StEG-Kooperation ist als prozessbegleitende Interventionsstudie angelegt. Sie umfasst zwei Phasen: In der ersten Phase entwickelt das Projektteam gemeinsam mit einem Team aus expertiertem und erfahrenem Schulpersonal in enger Kooperation mit der hessischen Serviceagentur „Ganztägig lernen“ eine Schulentwicklungsmaßnahme zum Thema „Multiprofessionelle Kooperation als Basis für Inklusion“. Die zweite Phase beinhaltet die Umsetzung dieser Schulentwicklungsmaßnahme an den drei teilnehmenden Ganztagsgrundschulen sowie die Untersuchung ihrer Wirkung mittels qualitativer, prozessbegleitender Methoden über einen längeren Zeitraum.

Methodische Herangehensweise

Für die Evaluation der Intervention nutzt StEG-Kooperation einen längsschnittlichen, qualitativen Forschungszugang. Das bedeutet, dass Interviews, Dokumentenanalysen und teilnehmende Beobachtungen über einen gewissen Zeitraum wiederholt durchgeführt werden. So können Dynamiken in den pädagogischen Teams nachvollzogen werden. Hierbei wird der Wahrnehmung der einzelnen handelnden Personen (Lehrkräfte und andere pädagogisch Agierende) besonders viel Raum gegeben. Zusätzlich ziehen wir die Einschätzung leitender Personen hinzu.

Details zu StEG-Tandem

Konzeptionelle Weiterentwicklung von Lern- und Übungszeiten durch kooperative Lernformen

In der dritten Förderphase von StEG (2016-2019) möchten das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) und die Universität Kassel in der gemeinsamen Teilstudie StEG-Tandem eng mit sechs ausgewählten integrierten Ganztagsschulen zusammen arbeiten. StEG-Tandem befasst sich mit der Konzeption und Evaluation einer Schulentwicklungsmaßnahme zur Gestaltung von Lern- und Übungszeiten an Ganztagsschulen. Im Rahmen der Studie wird gemeinsam mit den Schulen ein Konzept zur Einführung kooperativer Lernformen (z.B. Lernen in Tandems oder Kleingruppen, d.h. Schüler*innen helfen sich gegenseitig) in Lern- und Übungszeiten ausgearbeitet. Dabei soll Handlungswissen für die Ganztagsschulpraxis entstehen. Die Umsetzung des Konzepts wird anschließend wissenschaftlich begleitet. Zielgruppen sind die fünften Jahrgänge von maximal sechs integrierten Gesamtschulen.

Lern- und Übungszeiten an Ganztagsschulen: ein fester Bestandteil des Schulalltags

Zusätzliche Lern- und Übungszeiten an Ganztagsschulen haben das Potential ideale Voraussetzungen für individuelle Förderung zu bieten – wenn sie richtig genutzt werden. In den Lern- und Übungszeiten, die Schüler*innen zusätzlich zum Unterricht in der Schule verbringen, können sie einzeln gefördert werden, im Unterricht behandelte Themen vertiefen und bei den Hausaufgaben betreut werden. Bestrebungen, die zusätzlichen Lernzeiten ausdrücklich in den Schulalltag zu integrieren, sind deshalb häufig in Qualitätsrahmen für Ganztagsschulen und auch in einigen Landesschulgesetzen festgelegt. Befunde aus früheren Förderphasen der StEG zeigen, dass bundesweit inzwischen an circa 70 Prozent der Schulen mit Sekundarstufe I die Hausaufgabenbetreuung bzw. Lern- und Übungszeiten ein fester Bestandteil des Ganztagsschulprogramms sind. Dennoch haben vorangegangene Studien gezeigt, dass Lehrkräfte, pädagogisches Personal, Schulkinder und Jugendliche sowie Eltern mit der gegenwärtigen Ausgestaltung der Hausaufgabenbetreuung bzw. Lern- und Übungszeiten häufig unzufrieden sind.

Kooperatives Lernen: Arbeit in Tandems während den Lern- und Übungszeiten an Ganztagsschulen

An Schulen, die bereits Konzepte von Lern- und Übungszeiten umsetzen, bewerten die Lernenden diese positiver, wenn sie sich mit anderen austauschen können und zusätzlich fachliche Unterstützung erhalten. Ziel der Teilstudie StEG-Tandem ist es deshalb, mit dem an Ganztagsschulen beteiligten Personal ein neues Konzept für die Lern- und Übungszeiten der Jahrgangsstufe 5 zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf kooperativen Lernformen: Während der Lern- und Übungszeiten haben die Schulkinder die Möglichkeit, gemeinsam in Tandems zu lernen. Dabei werden sie von Älteren, sogenannten Mentor*innen, unterstützt.
Die Lern-Tandems sollen die Schüler*innen für schulische Aufgaben motivieren, indem sie ihren sozialen Bedürfnissen gerecht werden: Beim gemeinsamen Arbeiten tauschen sich die Kinder gezielt aus und helfen sich gegenseitig beim Lernen. Den Mentor*innen wird durch ihre Teilnahme und Mitgestaltung der Lern- und Übungszeiten ebenfalls die Gelegenheit gegeben, soziale Kompetenzen auszubauen und zu vertiefen.

Wissenschaft und Praxis entwickeln gemeinsam ein Konzept zur Umgestaltung von Lern- und Übungszeiten

Das Konzept zur Umgestaltung der Lern- und Übungszeiten wird vom pädagogischen Personal der ausgewählten Schulen und Forschenden des StEG-Team entwickelt. Die Grundlage dafür bildet ein Leitfaden, der unter Beachtung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse darlegt, wie kooperative Lernformen in Lern- und Übungszeiten eingebracht und umgesetzt werden können. Abgesehen von einigen vorgegebenen Elementen können die teilnehmenden Schulen den Leitfaden an ihre jeweilige Situation und spezifischen Wünsche anpassen. Beratend stehen den Schulen dabei neben dem Forschungsteam erfahrene Expert*innen aus der Praxis zur Seite.

Das Konzept der Studie

Die Studie umfasst drei Phasen: Die Studie beginnt mit der Konzeptionsphase (Schuljahr 2016/17). Während dieser Phase soll mithilfe eines ausgewählten Teams der jeweiligen Schule ein bestehender Leitfaden zur Umsetzung von kooperativen Lernformen in Übungs- und Lernzeiten an die jeweiligen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Schule angepasst und weiterentwickelt werden. Dabei stehen dem jeweiligen Schulteam externe Beratung und das Forschungsteam beratend zur Seite. Anschließend folgt die Erprobungsphase: Während des ersten Halbjahres im Schuljahr 2017/18 wird die gemeinsam entwickelte Maßnahme in der fünften Jahrgangsstufe eingeführt und in enger Begleitung durch die Beratenden bei Bedarf verändert und noch stärker auf die schulspezifischen Voraussetzungen zugeschnitten. Abschließend wird die Maßnahme während der Umsetzungsphase im zweiten Halbjahr 2017/18 in der Schule selbstständig weiter in der fünften Jahrgangsstufe umgesetzt. Die Weiterentwicklung während der Konzeptionsphase, die Erprobung und die Umsetzung der Maßnahme werden durch regelmäßige Beobachtungen und Befragungen evaluiert.

Details zu StEG-Bildungsorte

Ganztagsbildung aus Sicht von Schulkindern und ihren Eltern

In der dritten Förderphase von StEG (2016-2019) möchten das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und die Philipps-Universität Marburg in der gemeinsamen Teilstudie „StEG-Bildungsorte“ den spezifischen Wert und Ertrag von Ganztagsschulen im Vergleich zu anderen Bildungs- und Betreuungssettings herausarbeiten. Daher werden im Teilprojekt auch Schüler*innen und deren Eltern befragt, die nicht die Angebote von Ganztagsschulen nutzen. Es treten somit erstmalig bei StEG auch Familien in den Blickpunkt, die keine oder andere Bildungs- bzw. Betreuungsangebote, wie zum Beispiel den Hort, nutzen. Zwei Fragestellungen stehen dabei im Fokus: Welche Rolle spielt die Ganztagsschule bei den Bildungsentscheidungen, die in Familien getroffen werden und welche Wirkungen können unterschiedliche Bildungs- und Betreuungssettings hervorrufen?

Ganztagsschule als Teil der Bildungsentscheidungen von Familien

Entscheidungen darüber, welche Schule und welche außerschulischen Bildungs- und Betreuungsangebote das eigene Kind besuchen soll, werden in der Regel im Rahmen der Familie getroffen. Sie hängen von den regionalen Angebotsstrukturen und von den Vorstellungen, Wünschen und Erwartungen der einzelnen Familienmitglieder ab. Auch der Informationsstand über einzelne Angebote sowie die soziale Lage und der Lebensstil der Familie sind relevante Aspekte. In StEG-Bildungsorte untersuchen wir, welche Vorstellungen zur individuellen Förderung der Kinder Familien haben und inwieweit die Angebote von Ganztagsschulen in diesen Überlegungen vorkommen. Von Interesse ist, welche Rolle schulische Ganztagsangebote bei der Entscheidung für eine konkrete weiterführende Schule spielen. Ziel der Studie ist auch, auf lange Sicht zu überprüfen, ob die Familien diesbezügliche Absichten letztendlich umgesetzt haben und welche Faktoren hierfür entscheidend waren.

Wirkungen der außerunterrichtlichen und außerschulischen Angebote

StEG untersuchte von Anfang an die Wirkungen der Teilnahme an schulischen Ganztagsangeboten. Im Teilprojekt StEG-Bildungsorte wird es möglich sein, diese mit der Wirkung anderer Bildungs- und Betreuungsangebote zu vergleichen. Schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die keine schulischen Ganztagsangebote nutzen, können außerhalb der Schule auch an diversen Bildungs- und Freizeitaktivitäten (z.B. im Hort, im Jugendverband) teilnehmen. Im Rahmen der Studie werden die verschiedenen Teilhabemuster der Schüler*innen ermittelt und geprüft, ob sie sich z.B. im Hinblick auf persönliche Merkmale oder sozio-ökonomische Faktoren unterscheiden. Es gibt zwei Befragungen im Abstand von einem Jahr, um zu untersuchen, ob die verschiedenen Teilhabemuster mit unterschiedlichen Wirkungen in Beziehung stehen. Dabei knüpft die Studie an bisherige StEG-Analysethemen, wie z.B. den Zusammenhang mit Schulnoten, Selbstkonzept und soziale Kompetenzen.

Ganztagsschulbesuch und Freizeit- und Bildungsaktivitäten

Angelehnt an die voran gegangenen Fragestellungen werden mit einem eigenen Schwerpunkt die Aus- und Wechselwirkungen des Ganztagsschulbesuchs auf außerschulische Freizeit- und Bildungsaktivitäten sowie Sozialbeziehungen analysiert. Es geht dabei um die Frage, wie sich längere Schulzeiten und die Teilnahme an außerunterrichtlichen Ganztagsangeboten auf die Freizeitaktivitäten, die Teilnahme an organisierten Angebote bspw. der Jugendarbeit, der Sportvereine oder auch der Kunst- und Musikschulen auswirken. Weiterhin geht es darum, inwieweit ein Ganztagsschulbesuch Einfluss auf Ausgestaltung und Intensität von Peerbeziehungen hat.

Wie intensiv ist die zeitliche Einbindung der Ganztagsschüler*innen durch Ganztagsschulangebote? Inwieweit erweitern sich durch das Ganztagsschulangebot Lern- und Bildungswelten und liegt hierbei eine spezielle Möglichkeit für finanziell schwache Familien? Hierzu erfasst die Studie detailliert schulische und außerschulische Aktivitäten sowie innerschulische und außerschulische Freundschaftsbeziehungen, mit dem Ziel, Profile und mögliche Unterschiede herauszuarbeiten. Anschließend wird über den Zeitraum eines Jahres untersucht, inwieweit sich diese Profile verändern, und welchen Einfluss neben soziodemografischen Merkmalen und der soziale Herkunft der Schülerschaft die Ganztagsschule darauf hat.

Das Konzept der Studie

Anders als bislang in StEG gehandhabt, sucht StEG-Bildungsorte den Kontakt zu den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern nicht über Schulen. Das Teilprojekt bezieht seine Stichprobe vielmehr über den seit 2009 laufenden DJI-Survey AID:A. Der Zugang zu der gewünschten Zielgruppe von 8- bis 14-Jährigen und ihren Eltern erfolgt über standardisierte Telefoninterviews, die rund 15 bis 30 Minuten dauern. Die erste Befragung erfolgt im Frühjahr 2017 und soll sich an rund 7.000 Familien richten. Die zweite Befragung derselben Haushalte findet im Frühjahr 2018 statt. Für die Fragestellung „Ganztagsschulen als Teil der Bildungsentscheidungen von Familien“ sollten sich die Kinder zum ersten Befragungszeitpunkt möglichst im letzten Grundschuljahr vor dem Übertritt in die Sekundarstufe I befinden. Für die Fragestellung „Wirkungen der außerunterrichtlichen und außerschulischen Angebote“ sollten die Jugendlichen zum ersten Befragungszeitpunkt möglichst am Beginn der Sekundarstufe I stehen.

StEG Bilanztagung am 08.11.2019 in Berlin

Entwicklung von Ganztagsschulen – was wir aus 15 Jahren Forschung lernen

Am 8. November 2019 hat von 10:00 bis 17:00 im Tagungswerk in Berlin eine Tagung der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) stattgefunden. Die Tagung bilanzierte 15 Jahre Forschung im Rahmen der Studie. Sie richtete sich an die Schulpraxis, die Wissenschaft und die Politik und hat allen Gruppen Perspektiven der Zusammenarbeit aufgezeigt.

Tagungsprogramm

Die Tagung bilanzierte, was StEG für die Weiterentwicklung der Ganztagsschullandschaft geleistet hat. Los ging es mit einem Hauptvortrag von Prof. Dr. Ludwig Stecher (Justus-Liebig-Universität Gießen), einem der Hauptverantwortlichen der Studie. Die Inhalte seines Vortrags wurden im Anschluss in dialogischen Formaten vertieft. Es folgten vier parallele Sessions, in denen die StEG-Teilstudien ihre aktuellen Ergebnisse vorstellten. Danach erörterten vier parallele Foren besonders kontroverse Themen der Ganztagsschuldebatte. Den Abschluss der Tagung bildete ein Ausblick in Form einer Podiumsdiskussion: Wie kann die Forschung die Ganztagsschulentwicklung künftig weiter unterstützen? Die Moderation der Tagung übernahm Katja Irle.

zuletzt verändert: 26.08.2020
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